Geschichte des Shunts
(von den Anfängen und wie ich es am Anfang erlebte)

Als 1924 erstmals ein Mensch an die eine extrakorporale Dialysemaschine für nur wenige Minuten angeschlossen wurde, mußte ihm operativ eine Glaskanüle als Gefässzugang gelegt werden. Nach jeder Dialysebehandlung wurde diese Glaskanüle wieder operativ entfernt.

Für den Patient war dies eine unvorstellbare Tortur. Da die Blutgefäße nach wenigen Dialysebehandlungen zerstört waren, hoffte man, dass die Nieren wieder ihre Arbeit aufnehmen würden. Hatten sich die Nieren des Patienten aber nicht erholt, mußte er sterben. Die Erfindung von W. E. Quinton, einen Shunt, den man auf lange Zeit benutzen konnte, war im Jahre 1945 bahnbrechend, aber ohne Erfolg.

links: Shunt nach Quinton/Scribner (Quelle:Foto Lasker Medical Research Network)

unten: mein Scribner Shunt am rechten Unterschenkel 1970

36 Jahre später nahm Belding Scribner die Idee und Erfindung von Quinton wieder auf und entwickelte den Shunt weiter. Er benutzte Teflon, ein körperfreundliches Kunststoffmaterial. Dies war der Durchbruch für die chronische Dialysebehandlung, da nun die Patienten über eine implantierte Anschlussvorrichtung an die Dialysemaschine für eine unbegrenzte(!) Zeit angeschlossen werden konnten. Scribners erster Vorzeigepatient, der von ihm diesen Shunt gelegt bekam, war Clyde Shields, der 11 Jahre an der Maschine überlebte.
oben: Scribner mit seinem Patient Clyde Shields (Quelle:Foto Lasker Medical Research Network

Der Scribner Shunt bestand aus einem damals neuem Material Teflon und wurde an die Artherie und Vene, überwiegend oberhalb des Handgelenks implantiert und nach außen verlegt. So mußten zur Dialysebehandlung nur noch die beiden Schenkeln auseinander gezogen werden und man hatte einen arteriellen und venösen Anschluss zur Dialysemaschine.

Mein erster Gefäßanschluss war ein Scribner Shunt, den ich am rechten Unterarm 1970 in Heidelberg von Dr. Schüler gelegt bekam. Alle meine vier Scribnershunts an den Unterarmen bzw. Unterschenkeln hielten maximal 3 Monate.
Infektionen und Verschlüsse waren an der Tagesordnung, so dass die Erfindung von Dr. James Cimino in New York eine Erleichterung für uns Patienten war.
Er entwickelte die erste chirurgisch arterio-venöse Fistel (Cimino Fistel oder auch AV-Fistel genannt). Dieser Shunt war der erste länger funktionierende Gefäßzugang, den ich an meinem rechten Unterarm hatte. Endlich konnte ich wieder unbekümmert in die Badewanne, ohne aufpassen zu müssen, dass der Shuntarm nicht nass wurde.

oben: ich, Karl-Josef Thomas und Horst Göhring (von links) im Schwimmbad der Chirurgischen Universitätklinik in Heidelberg 1970

Man fotografierte uns junge Dialysepatienten im Schwimmbad, um in medizinische Fachblätter zu dokumentieren, dass man mit der neuen Cimino Fistel, fast alles unternehmen konnte, sogar schwimmen.
Natürlich wurde man nun mit zwei Nadeln punktiert. Die Kinder mußten nun Schmerzen aushalten. Aber nach der Dialyse wurden die Nadeln gezogen und man konnte sich frei bewegen und spielen oder Sport treiben.

Während der Dialyse konnte man sich auch mal aufsetzen, um Schulaufgaben zu machen oder die Schwestern zu ärgern. Wir hatten uns sehr schnell an den Cimino- Shunt gewöhnt.

mein erster Oberarmshunt 1975 (von links: Dr. H.W. Schüler, ich, Dr. Ikinger, eine kleine Patientin, Stationspfleger Herr Steeg)

In den vergangenen 30 Jahren wurden einige Shunt-Operationsmethoden entwickelt, um Menschen, die Probleme mit ihren Blutgefäßen haben, eine brauchbare und dauerhafte Lösung für den Anschluss an die Dialyse zu ermöglichen.
Als einer der führende Kapazitäten in den letzten 30 Jahren in dem Fachgebiet Shuntchiurgie war Prof. Brittinger aus Neckargemünd, der, wie er mir mal erzählte, Kontakte zu einigen führenden Shuntkapazitäten in den USA pflegte.
Die Verfügbarkeit von Gefäßprothesen aus Core-tex ist heute ein wesentlicher Fortschritt und wird häufig benutzt, wenn eigene Blutgefäße nicht ausreichend vorhanden sind. Diese Prothesen werden nach dem gleichen Prinzip wie die AV-Fistel verwendet.
Seit einiger Zeit werden Dialyse-Ports, von denen zwei Typen auf dem Markt sind (Dialock® und LifeSite®) eingesetzt, die aber sehr komplikationsträchtig sind.