Nachruf

Belding H. Scribner MD, 1921-2003

von einem seiner Weggefährten: Christopher R. Blagg

Mercer Island USA Email: blaggc@hotmail.com

(Den Nachruf wurde von Thomas Lehn übersetzt, 2010, (Quellen u. Fotos: Dr. Ch. Blagg/New York)

Prof. Dr. Christopher R. Blagg

An Belding Scribner wird man immer erinnert werden, wenn es um die Entwicklung des Teflon-Shunt im Jahr 1960 geht. Denn erst da wurde die langfristige Hämodialyse für Patienten mit chronischem Nierenversagen möglich. Dies war jedoch nur eine der vielen Beiträge in der Nephrologie und der Bioethik in seinen 43 jährigen Arbeitsleben. Scrib, wie er genannt werden wollte, war einer der "Großen" Wissenschaftlern. Sein Arrangement hatte so große Auswirkungen auf das Gesundheitswesen. Er wird immer in Erinnerung bleiben.

Scrib, 1921 in Chicago geboren, war ein krankes Kind, das unter verschiedenen Krankheiten und auch unter Allergie litt. Wahrscheinlich hatte Scrib dadurch seinem Ehrgeiz dazu beigetragen, später einmal Arzt zu werden. Er studierte an der University of California, Berkeley, Stanford University School of Medicine, San Francisco, wo er seinen Mentor Thomas Addis traf.

Nach Beendigung seines Stipendiums an der Mayo Foundation, ging Scrib 1951 nach Seattle zur Fakultät der University of Washington Medical School. Dort überzeugte er das Krankenhaus Skeggs-Leonards Hämodialysatoren zu beschaffen. 1958 wurde Scrib der erste Leiter der Abteilung für Nephrologie. Professor für Medizin wurde er im Jahre 1962 und 1992 Ehrenprofessor für Medizin.

Scribner hat für seine Nierenstation
Skeggs Leonards Hämodialysatoren verwendet.

1948 bauten Skeggs und Leonards
in Amerika den ersten Plattendialysator,
das war der Vorläufer der Kiil-Niere

Skeggs Leonards Hämodialysatoren in Verwendung

Der erste Shunt, in Zusammenarbeit mit Wayne Quinton entwickelt, wurde zum ersten Mal benutzt, um einen Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz März 1960 zu behandeln. Der Patient, Clyde Shields, lebte 11 Jahren (mit der Dialyse), bevor er an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung starb.

Noch nach einigen Jahren, nachdem die ersten Berichte über den Scribner Shunt in der Transactions of the American Society for Artificial Internal Organs geschrieben wurden, war die Dialyse bei chronischer Niereninsuffizienz bei vielen Ärzten immer noch mit Mißtrauen angesehen. Das änderte sich nach seiner Präsentation bei der Internationalen Society of Nephrology in Prag im Jahre 1963.
Bis heute wurden weltweit mehr als eine Million Patienten in "end-stage renal disease" (terminaler Niereninsuffizienz) behandelt.

In den nächsten 43 Jahren waren Scrib und sein Team mit vielen Entwicklungen beteiligt, von denen Dialysepatienten profitiert haben. Dazu gehörten die Erforschung und Beschreibung einer Vielzahl von Komplikationen, die mit der Dialyse verbunden waren. Dazu gehörten schwere Hypertonie, periphere Neuropathie, Gicht und Arthropathie, metastatische Verkalkung, renale Anämie und die renale Knochenerkrankung. Schon früh erkannte Scribner das Potenzial der Peritonealdialyse und stellte Fred Boen und Henry Tenckhoff ein. Trenkhoff entwickelte den (nach seinem Namen genannten) Katheder für die Peritonealdialyse undwtablierte langfristig die Heimdialyse in Seattle.

Scribner machte sich Sorgen, weil die Dialyse nicht für jeden Patienten zugänglich war. Aus diesem Grund gründete er im Jahr 1962 mit Dr. James Haviland das Künstliche Niere Center Seattle. Der heutige Name ist: Nordwest-Nieren-Center das war das erste Non-Profit-, und sollte ein für alle Patienten zugängliche Dialysestation sein . Dies wiederum führte dazu, dass ein Ausschuss eine anonyme Auswahl von Patienten treffen mußte, wer diese teure Behandlung erhalten durfte. Das Dasein dieses Ausschusses sorgte in einem Artikel im Life Magazine im Jahr 1962 dafür, dass eine Diskussion zwischen Ethiker, Philosophen und Nephrologen angeregt wurde. Dies wurde als Ursprung der Bioethik und als eigenes Lehrfach in der Universität genannt. Scrib war im Jahr 1964 Präsident der American Society for Artificial Internal Organs und sein Umgang mit Patienten und die damit verbundene Fragen sind noch heute aktuell. Er machte sich stark für die Belange und die Autonomie der Patienten und der Gerechtigkeit beim Zugang zur Gesundheitsversorgung. Im Jahr 1986, bei einer internationalen Tagung von Bioethiker in Seattle, erhielt Scribner den Ehrentitel "der original Bioethiker.

Im Jahr 1963 lernte Scrib, Les Babb, Professor der Nuclear Engineering an der University of Washington, kennen, um mit ihm zusammen zu arbeiten. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die Entwicklung des ersten automatische Dosiersystems, um für einen einzigen Patienten sein Dialyse-Dialysat herzustellen, wie es bei der Heimdialyse üblich ist. Das war der Prototyp für die meisten Dialyse-Maschinen, der heute in den Zentren in der ganzen Welt im Einsatz ist.

Scribner war schon damals für die "Langzeit Dialyse"

Scrib war es immer wichtig, dass man ausreichend dialysiert. Er wusste damals schon, dass lange Dialyse die periphere Neuropathie vermeiden konnte.

Mit seinem Kollegen Babb erarbeitete er Konzepte und entwickelte die Quadratmeter Stunden Hypothese und die Mittel-Molekül Hypothese. Er glaubte an die wichtige Rolle des mittleren Molekülen in der Urämie. Scrib war eher skeptisch über die Verwendung von Kt / V als Maß für die adequate Dialyse. Vielmehr war er fest überzeugt, dass sowohl die Dauer und Häufigkeit der Dialyse am besten für den Patienten ist. Daher war er nicht über die Ergebnisse der jüngsten HEMO-Studien überrascht. Er beabsichtigte, seine Ansichten zu diesen Themen erst im März dieses Jahres (2002) in einem Brief an die Dialyse Annual Conference in Seattle darzulegen.

Scrib war auch in anderen wissenschaftlichen Projekten mit eingebunden. ( z.B. die langfristige parenterale Ernährung mit der Verwendung von einem Blutzugangsweg). Man nannte diesen Weg auch Artificial Gut (Kunstdarm??). Diese Arbeiten führten letztendlich zur Entwicklung des Broviac Katheter und den Hickman-Katheter, die nun wirklich umfassend für die Chemotherapie oder andere Medikamente, sowie für die parenterale Ernährung, genutzt werden.

Er war immer ein Patientenfürsprecher und half den Patienten, dass sie ihr Recht bekamen uns am Medicare-end-stage renal disease-Programm (letzt endlich Dialysebehandlung) teilzuhaben. Er hat immer daran geglaubt, die Patienten zur Selbstständigkeit, so weit wie möglich, aufmuntern zu müssen. Er hat sich stark genacht für die Aufklärung und die Rehabilitation der Patienten und letztendlich vertrat er die Vorteile der Heim-Dialyse.

Im Laufe der Jahre bildete Scrib viele Ärzte aus den USA und der ganzen Welt aus, und Seattle wurde von vielen anderen Nephrologen, die an der Dialyse interessiert waren, besucht. Aber neben der Ausbildung der Nephrologen und Patienten, war er auch ein hervorragender Dozent. Während der Arbeit mit Addis an der Mayo Foundation hatte er eine Möglichkeit entwickelt, Chlorid, Bikarbonat und Harnstoff zu messen. An der Universität in Washington, verband er dies mit seinem Lehrplan der Prinzipien des Wasserhaushalts in vereinfachter Weise tausende von Medizinstudenten beizubringen.

Im Laufe seiner Karriere erwarb Scrib viele Ehrungen. Er war Präsident sowohl der American Society for Artificial internal Organs, als auch der American Society of Nephrology, und erhielt die Ehrendoktorwürde von der Universität Göteborg und der Postgraduate Medical School in London. Zusammen mit Pim Kolff, erhielt er 2002 den Albert Lasker Award for Clinical Medical Research. Das ist in den USA die höchste Auszeichnung nach dem Nobelpreis. Besonders erfreut war er, als er kurz vor seinem Tod den Distinguished Alumnus Award vom Williams College in Massachusetts, wo er zur Schule ging, erhielt.

Viele Jahre lebte Scrib auf seinem Hausboot am See, nicht weit von der University of Washington Medical School. Zur Arbeit paddelte er mit dem Kanu. Seine Frau Ethel, deren Gastfreundschaft und charmante Persönlichkeit vielen bekannt war, trauert um ihn. Ebenfalls ihre sieben Kinder und Enkelkinder.

Scrib war ein warmherziger, großzügiger und sehr bescheidener Mensch, der viele Freunde, vorallem unter den Nephrologen und Patienten, hatte. Für ihn und seinen beruflichen Erfolg war es ausschlaggebend, sich vollständig auf etwaige Probleme, die ihn interessierten, geduldig zu konzentrieren, um dann eine medizinische oder eine andere Lösung zu finden . Er war einer der großen Männer der Medizin, und wird von Allen, die ihn kannten, vermisst.

Eine Gedenkfeier für Dr. Scribner fand an der Universität von Washington am 30. Juni statt. Spenden können der University of Washingtin den Scribner Dialyse-Fonds zugeführt werden.

Christopher R. Blagg