Saturday, June 21, 2003

Belding Scribner believed, to be a good doctor, one must be a patient
(Belding Scribner glaubte, um ein guter Arzt zu sein, muss man den Patient verstehen)

By TOM PAULSON
SEATTLE POST-INTELLIGENCER REPORTER

(Übersetzung ins Deutsche: Thomas Lehn, 2010, (Quelle: Seattle Post, Samstag,21.06.2003)

Reporter:
Tom Paulson


übersetzt von:
Thomas Lehn

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Die Universität von Washington erinnert an Dr. Belding Scribner, den Mann, der mehr als eine Millionen Menschen das Leben gerettet hat, weil durch seine Erfindung - der Dialyseshunt - langfristig die Dialysebehandlung ermöglicht wurde.

Dr. Scribner's Kollegen, Freunde und die Familie erinnern sich an einen unersättlich hochbegabten und kreativen Menschen der biomedizinischen Wissenschaft und an sein leidenschaftliches Engagement für Nierenpatienten, die einen lebenslangen Kampf mit ihrer Erkrankung haben.

Belding Scribner, kurz vor seinem Tod

Scribner, weltweit als Pionier der Dialyse bekannt, starb im Alter von 82 am Donnerstag. Dr. Scribner ist ertrunken, nachdem er scheinbar von seinem Hausboot auf dem Portage Bay bei Seattle ins Wasser fiel.

Scribner's Frau, Ethel, sagte, ihr Mann hatte in letzter Zeit mit einem Herzleiden und starker Osteoporose erkrankt, die auch erforderte, dass er an zwei Stöcken gehen musste. Ein Gehstock fand man im Hafenbecken. Ein Kajakfahrer entdeckte am Donnerstag um die Mittagszeit seinen leblosen Körper im Wasser.

"Er hat wirklich das Leid der Nierenkranken verstanden ", sagte Dr. Eric Larson, ein langjähriger Freund und ehemaliger Direktor des UW Medical Center in Seattle "Dr. Scribner erfand nicht nur die notwendigen Werkzeuge, um die Krankheit zu behandeln", sagte Larson, "er sorgte auch dafür, dass dies auch verwendet wurde, um den Menschen zu helfen."

"Scrib (Dr. Scribner) versuchte mir zu erklären, um ein guter Arzt zu sein, muss man zuerst den Patienten verstehen", sagte Dr. Suhail Ahmad, ein UW Nieren-Spezialist, den Dr. Scribner Mitte der 70iger Jahren "unbesehen" als damals junger Arzt aus Indien holte.
"Er war so, er gab den Menschen eine Chance", sagte Ahmad. "Ich wusste damals nicht einmal, wo Seattle lag. Aber ich wußte, wer Scrib war." Ethel Scribner sagte, dass die jüngsten Beschwerden ihres Mannes waren nur einige eines langen Kampfes gewesen. "Er hatte in seinem Leben immer schon gesundheitliche Probleme gehabt", sagte sie gestern. Es begann schon, als er ein kleiner Junge war," sagte sie. "Er hatte eine Augenerkrankung, die schließlich mehrere Hornhauttransplantationen zur Folge hatte." "Das ist auch der Grund, warum er in die medizinischen Forschung gegangen ist", sagte Ethel und erklärte, dass ihr Mann aufgrund seiner Sehstörungen beschlossen hatte, dass es ihm zu beschwerlich für ihn sei in Vollzeit in der klinischen Versorgung zu arbeiten.

Er entschied sich stattdessen sein Wissen in die medizinische Wissenschaft und Technik zu stecken. Dank seiner Augenbehinderung hat er Hunderttausenden das Leben gerettet.

Christopher Blagg

"Scrib ist in der ganzen Welt berühmt . Er hat die tödliche Krankheit behandelbar gemacht", sagte Dr. Christopher Blagg, ehemaliger Direktor des Nordwest-Nieren-Centers und Kollege und Freund von Scribner.

Vor 1960 war das Endstadium Nierenversagen ein Todesurteil. Der Einsatz der Dialyse und zwar das Herausfiltern giftiger Substanzen aus dem Blut konnte nur geschehen, weil Glaskanülen jedes Mal beim Patienten -trotz schwerer Schäden an den Blutgefäßen - eingelegt werden mußten. Die Patienten erhielten nur dann eine Dialyse, wenn die Chance groß war, dass sich ihre Nieren wieder erholen würden.

Angesichts der vielen Menschen, welche diese Chance nicht bekommen konnten, hat Dr. Scribner durch seine Entwicklung der U-förmige Röhre, die permanent beim Patienten implantiert wurde, die Möglichkeit geschaffen, an die Künstliche Niere angeschlossen werden zu können. Er benutzte ein neues Material, Teflon, einfach weil ein Arzt ihm sagte, es würde nicht auf Körpergewebe nicht reagieren, wenn es implantiert ist.
Etwas später erkannten Dr. Scribner und seine Kollegen, dass die Beschaffenheit des neuen Materials ein weiteres Problem hervor rief. Diese Oberfflächenbeschaffenheit verhinderte die Blutgerinnung - ein Problem, was das ganze Projekt zum Scheitern verurteilt hätte.

Dr. Scribner hatte nun den berühmten "Scribner Shunt" erfunden, der dazu beigetragen hat, die Dialyse in eine langfristige, lebensrettende Behandlung bei Nierenversagen zu etablieren. Wegen dieser Erfindung hatte er und Dr. Willem Kolff von der Universität von Utah - der ebenfalls eine weitere kritische Komponente für die Dialysebehandlung (Kolff Niere) entwickelt hatte, im vergangenen Jahr den Albert Lasker Award for Clinical Medical Research erhalten. Der Lasker Award gilt als höchster Preis nach dem Nobelpreis für eine weitreichende medizinische Leistung.

Während mit einer solchen Leistung an sich zufrieden gewesen zu sein und vielleicht aus der Erfindung Gewinn zu erzielen, gab es Dr. Scribner gerade der Ansporn, um mehr zu leisten. "Dies war eine neue Technologie und er wußte, er könne mit seiner Erfindung so viele Menschen behandeln", sagte Larson. "Er wollte, dass seine Erfindung eine große Gemeinschaft davon profitiert."
Anstatt seine Erfindung patentieren zu lassen und eine Firma zu gründen, begann Dr. Scribner stattdessen ein Non-Profit-Nieren-Dialyse-Zentrum in Seattle zu errichten. Man nannte das Zentrum: Seattle Artifical Kidney Center und wurde 1962 mit Hilfe von Dr. James Haviland und anderen wichtigen Leuten eröffnet. Die Idee war, eine medizinische Einrichtung zu schaffen, in der die neue Methode von Scribner gelehrt wurde, in der die Ausbildung von Ärzten im Vordergrund stand, und vor allem die Einrichtung zur Behandlung der Niereninsuffiziemz für alle Menschen weltweit zur Verfügung stand.

"Um die 1960 war Seattle das Mekka für Dialyse," sagte Blagg, und zu dieser Zeit kamen hierher aus England viele Ärzte, um mit Dr. Scribner den Shuntimplantation zu üben. "Die überwiegende Mehrheit der Dialyse-Maschinen, die heute im Einsatz sind, sind direkte Nachfolgemaschinen der ersten Generation, die in Seattle eingesetzt wurden."

Dr. Scribner hätte Millionen Dollars machen können, aber er gab seine Erfindung lizenzfrei an Jeden. Dadurch machten Andere aus seiner Erfindung Profit.

"Dialysestationen sind heutzutage in erster Linie gewinnorientierte Unternehmen", sagte Joyce Jackson, derzeit Direktor der Nordwest-Nieren-Center. "Das Motiv an Gewinnstreben steht leider vor der Gesundheitsversorgung", sagte Jackson, jetzige Direktorin vm Northwest Kidney Center, "Scribner blieb bis zu seinem letzten Tag seiner Forschung treu, die lebensrettenden Behandlung weiter zu entwickeln."

Da der Staat die wissenschaftliche Arbeit in der medizinischen Forschung fördert, argumentierte Dr. Scribner standhaft, solle die breite Öffentlichkeit auch die Früchte dieser Arbeit erhalten.

"Das Verlangen nach Erfolg in der Medizin und der Verdienst in der medizinischen Forschung war sein geistiges Eigentum," sagte Larson.

"Das war so inspirierend für ihn", er war nicht nur interessiert an der Entwicklung der Technologie, er wollte sie auch benutzen in einer verantwortlichen Art und Weise.".

Dr. Scribner ist geboren und aufgewachsen in Chicago, als Sohn eines gut bürgerlichen Holzhändlers und einer hochintelligenten Mutter, deren Vater ihr eine College-Ausbildung verweigert hatte. Seine Mutter, Mary Beth Belding, sorgte dafür, das ihr krankes Kind Belding zumindest jede Bildungschance ermöglicht wurde.
Dr. Scribner's Mutter erhielt ein Stipendium für ihn und schickte ihn in ein Internat in Fountain Valley, Colorado.
Er entwickelte sich dort und wechselte schließlich zur Stanford University. Er kam zu dem UW im Jahr 1951.

Dr. Scribner hinterläßt seiner Frau Ethel noch sieben Kinder und sechs Enkelkinder.