Thomas Lehn: Zusammenfassung über das

Kompaktsymposium Dialyseshuntchirurgie in Weimar / Fortbildungsveranstalting der HELIOS Klinik Blankenhain

25. November 2008, 16:00 - 21:00 Uhr

Gastteilnehmer: Thomas Lehn

Als Insider und langjähriger Dialysepatient mit Shunterfahrung lud mich Herr Dr. Thomas Röder (Chefarzt der des Shuntoperationszentrums der Helios Klinik Blankenhain, Thüringen, bei Weimar) zu seinem ersten Kompaktsymposium für Dialyseschuntchirurgie ein.

Natürlich fühlte ich mich geehrt, wieder einige mir bekannte Ärzte, wie Prof. Dr. Brittinger aus Neckargemünd, Prof. Dr. Krönung aus Ottweiler, Dr. Metzler aus Neckargemünd, Dr. Röder aus Blankenhain und weitere Ärzte, die bei uns Patienten den wohlverdienten Ruf als die besten ihres Standes in unserem Lande genießen, zu treffen und zu sprechen. Die Referatsthemen waren vielseitig und schienen mir mit Hinblick der Qualitätssteigerung in der Shuntchirurgie für uns Patienten von großem Nutzen zu sein.

In seiner Eröffnungsrede betonte Dr. Thomas Röder, dass mehr als 65000 Menschen in Deutschland eine langfristige Dialyse benötigen. Vorrausetzung für die Hämodialyse ist ein dauerhafter und komplikationsloser Zugang zum Gefäßsystem. Dieser Zugang wird normalerweise durch eine gefäßchirurgische Operation vom Shuntchirurgen gelegt. In diesen Prozess sollte immer der zuständige Nephrologe, der Patient und der Shuntchirurg eingebunden sein. Dr. Röder betonte, dass er mit seinem Team im Gefäßzentrum der HELIOS Klinik Blankenhain mehr als 350 Shunt OPs (mehr als 150 Neuanlagen sowie 200 komplexe Revisionen bzw. Kombinations-Operationen) im vergangenen Jahr durchführte.

Wissenschaftlicher Leiter und Gastgeber: Leitender Arzt der Dialyseshuntchirurgie HELIOS Klinik Blankenhain: Dr. med. Thomas Roeder

Er begrüßte einige Gäste u. a. auch mich als Patient und Betroffenen, bezüglich der Problematik von Dialyseshunts. Leider hatte Prof. Dr. Brittinger aus Neckargemünd, der über die Geschichte des Gefäßzuganges zur Hämodialyse referieren sollte, die Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. So hatte man kurzfristig den bekannten Shuntspezialisten Herrn Dr. Klaus Konner (zwischenzeitlich im wohlverdienten Ruhestand) aus Köln für den ersten Vortrag - Anschlussverfahren an die Künstliche Niere für die chronische Dialysebehandlung der letzten 50 Jahren - gewinnen können.

Eindrucksvoll beschrieb er die Anfänge der Gefäßchirurgie. Er erzählte von dem Franzosen Alexis Carell, der 1912 den Nobelpreis „In Anerkennung seiner Arbeit über die Gefäßnaht und die Transplantation von Blutgefäßen und Organen“ erhielt. Er hatte die grundlegende Technik wie die der arterio-venösen Anastomose - entwickelt, die noch heute in der Gefäßchirurgie genutzt wird. Dr. Georg Haas hat zum ersten Mal 1924 eine Dialyse am Menschen durchgeführt. In der Wochenzeitschrift von 1923 stand zu lesen: 15 Minuten Dialyse am strömenden Blut am Lebenden durchgeführt . Ein großes Problem war damals die Heparinisierung und der Gefäßzugang. 1926 wurde das Heparin entdeckt. Nachdem man nur zeitlich bedingt mit der Glaskanüle punktieren konnte, weil irgendwann die Blutgefäße zerstört waren, suchte man einen Weg schonend an das Blut des Patienten zu kommen und es wieder zurück zum Kreislauf des Patienten zu führen.

Dr. med. Klaus Konner erzählte eindrucksvoll über die Geschichte des Shunts

1960 vollendete Belduin Schribner den Shunt, den schon Quinton im Jahr 1945 erfunden hatte. Sein erster Patient war Cliede Shields, der an der Dialyse 11 Jahre überlebte. Ab nun hatte man einen Gefäßanschluss und konnte die chronische Dialysebehandlung durchführen.

1965 gelang es Cimino und Brescia die erste arterio-venöse Fistel zu entwickeln. Ab nun gehörten die Komplikationen, die der Scribnershunt aufwies, der Vergangenheit an. Dr. Konner erzählte von persönlichen Erlebnissen mit den Pionieren der Dialysegeschichte, die mich sehr beeindruckt haben. Natürlich ging die Entwicklung weiter: PTFE Prothesen und Katheteranschlusse sind Alternativen, wenn das eigene Gefässubstrat nicht mehr zur Verfügung steht.

Weitere interessante Vorträge, über Dialysevorhofkatheder aus nephrologischer (Referent: H. Ch. Kuchenbecker) und aus shuntchirurgischer Sicht (Referent: Dr. Th. Röder) folgten.
Mir wurde wieder einmal bewußt, dass das Patientenklientel nicht nur kontinuierlich jährlich ansteigt, sondern es wurde mir auch klar, dass der Hauptanteil der Dialysepatienten Diabetiker sind. Da die Nierentransplantationen im letzten Jahr wieder abgenommen haben, wird die Zahl der Dialysebehandlungen und der Shunt-Operationen zunehmen. Auch transplantierte Nierenpatienten benötigen wieder einen Shunt oder Demerskatheder, wenn sie wegen Organversagens zurück an die Hämodialyse müssen. Der Dialysevorhofkatheder sollte immer nur dann zum Einsatz kommen, wenn keine Shuntanlage möglich ist. Kontroverse Diskussionen schlossen sich den Vorträgen an.

Dr. med. Kuchenbecker referierte über Vorhofkatheder

Nach einer Pause mit Imbissbuffet wurden ebenfalls kontrovers die nächsten Themen, Wertigkeit der Duplexsonographie in der Dialysechirurgie von Dr. A. Jüngling und Die CO2-Angiographie in der Dialysechirurgie von PD. Dr. H.-J. Strauss referiert, unter den Anwesenden diskutiert. Liefert eine Duplexsonographie oder eine CO2-Angiographie für den Shuntchirurgen bessere Auskunft? Beide Verfahren werden in Shunt.Kliniken angewandt und ergänzen sich. Es kommt immer auf die Sichtweise an. Manche Chirurgen arbeiten lieber mit der CO2-Methode, bei der man über die gesamte Gefäßlandschaft den besten Eindruck bekommt. Bei einer Duplexsonographie kann man nur die Bereiche sehen, über die der Schallkopf gezogen wird. Weiterhin wird diese Schallmethode für die Beurteilung der Arteriosklerose eingesetzt. Ich denke beide Verfahren sollten ihre gleichberechtigte Anwendung finden.

Dr. med. Jüngling referieret über Duplexsonographie und PD Dr. med. Strauss über die CO2- Angiographie

Den Anwesenden wurde die Peritonealdialyse (CAPD) mit dem Vortrag von Dr. U. P. Hinkel zum Thema: Peritionealdialyse - nephrologischer Part näher erklärt. Als Alternative zur Hämodialyse bietet sich die Bauchfelldialyse allemal an. Heute wird diese Nierenersatztherapie gern als Anfangstherapie bei terminaler Niereninsuffizienz angeboten. Man hat mehrere Möglichkeiten, die Bauchfelldialyse durchzuführen. Am Tag durch Beutelwechsel oder nachts mit Hilfe eines Cyclers. Vorteile der CAPD-Dialyse sind eventuell die Nierentätigkeit weiter zu erhalten, schonende Dialyse ohne Blutdruckschwankungen, weniger Trinkmengenreduzierung und Diäteinschränkung.
Die Filtration des Bauchfells ist begrenzt und liegt im Durchschnitt bei 7 Jahren. Dann sollte die Hämodialyse als Therapie oder eine Nierentransplantation in Betracht gezogen werden.

Vorsitz und Moderation (von links): Dr. med. Hinkel, Dr. med. Liebetrau, Dr. med. Metzler, Dr. med. Clausner, PD. Dr. med Strauss

Prof. Dr. Krönung zeigte anhand seines eigenen Bildmaterials die verschiedenen Formen und den Behandlungsbedarf sowie die Handhabung bei Steal-Syndrom . Die Folge einer Minderdurchblutung der Extremität (z.B. Hand) bedeutet, dass die Blutmenge, welche von der Arterie in die Vene fließt, nicht mehr zur Verfügung steht. Fotos belegten, dass bei vielen Patienten um Laufe der Zeit das Shuntflussvolumen ansteigt.
Für den Patienten bedeutet das Schmerzen, Kältegefühl, Taubheitsgefühl, im schlimmsten Fall Blaufärbung, bis zur Nekrose. Für einen erfahrenen Shuntchirurgen ein breites Aufgabenfeld, das sich mit dem Fluss im Shunt, der Anastomosen Korrektur oder der Shuntrückverlegung etc. beschäftigt. Beeindruckt war ich von Prof. Dr. Krönungs OP-Fotografien, die zeigten, wie er mit verschiedenen Techniken eine Drosselung des Shuntvolumens, wie z. B. durch ein sogenanntes „Shuntbanding“, erreichen kann. Zuwenig bedeutet keine Änderung der Situation, da das Shuntvolumen nicht sonderlich reduziert wird. Zu viel kann einen Shuntverschluss zur Folge haben. Es ist eine schwierige Aufgabe für den Shuntchirurgen eine Stenose zu beurteilen. Nicht immer ist bei einer Stenose das Eingreifen des Shuntchirurgen notwendig. Prof. Dr. Krönungs Referat setzte eine gehörige Portion Wissen über arterio-venöse Gefäßverbindungen voraus, was mir bei der anschließenden Diskussionsrunde unter den Spezialisten bewusst wurde.

Prof. Dr. med. Krönung referierte über Steal-Syndrom

Als letzter Redner war Dr. M. Worm, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin der HELIUS Klinik Blankenhain und Kollege von Dr. Th. Röder mit seinem Vortrag: Führung von Dialysepatienten aus anästhesiologischer und intensivmedizinischer Sicht an der Reihe. Aus Sicht des Narkosearztes beleuchtete er die Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung des Patienten bei einer Shuntoperation. In Abhängigkeit der Befunde und des Wunsches des Patienten kann die Operation in allen Narkoseverfahren durchgeführt werden. Er schlägt jedoch eine Vollnarkose vor, wenn die Operation über eine Stunde hinausgeht. Generell sind Dialysepatienten Risikopatienten und genießen eine besondere Aufmerksamkeit während und nach der OP.

Dr. med. Worm referierte über die Anästhesie bei Shunt OPs

Zum Abschluss gab Dr. Th. Röder einen Ausblick und hob hervor, dass eine komplexe,seriöse und erfolgreiche Shuntchirurgie nur durch eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit möglich sei.
Seit Oktober 2008 gibt es in Deutschland Shunt-Guidelines, an denen sich die Shuntchirurgen orientieren können. Durch diese Kriterien wird möglicherweise eine Qualitätsverbesserung in der Shuntchirurgie erreicht werden können.

Dr. Th. Röder bedankte sich bei den Teilnehmern und beendete das Seminar mit einem Zitat von Prof. Brittinger:

"Zur Dialyseshuntchirurgie gehört Demut und nicht der Drang zur Selbstdarstellung!"